Ilford XP2 Super – Impressionen

Die Wurzeln des Ilford XP reichen bis an den Anfang der 80-er Jahre des letzten Jahrhunderts zurück wo Ilford die erste Version dieses Films vorgestellt hatte. In seiner jetzigen Form gibt es den XP2 Super seit 1998 (Ilford History and Chronology).

Laut Datenblatt von Ilford ist der XP2 Super 400 ein scharfer, schneller und feinkörniger SW-Film. Der fundamentale Unterschied zu klassischen SW-Filmen wie den FP4 oder Delta 100 aus demselben Hause besteht in seinem Aufbau. Der XP2 verwendet prinzipiell dieselbe Technologie wie Farbnegativ-Filme, sog. chromogenische Filme. Das heißt, dass das eigentliche Bild beim XP2 sich nicht aus Silber-Partikeln bildet wie bei klassischen SW-Filmen sondern aus chromogenen Farbstoffwolken (eng. dye clouds). Mittlerweile ist der Ilford XP2 Super der einzige seiner Art am Markt der noch hergestellt wird, Agfa, Fuji und Kodak hatten früher ähnliche Filme im Programm, ihre Herstellung wurde aber eingestellt.

Ilford XP2 Super 400

Der Ilford XP2 Super 400 hat einige spezielle und auch einzigartige Eigenschaften :

  • Einen sehr weiten Belichtungsspielraum :
    • der XP2 kann zw. ISO 50 … 800 belichtet werden
    • der ISO Wert kann innerhalb eines Films in dem o.g. Rahmen angepasst werden
    • beste Ergebnisse werden zw. ISO 200..400 erreicht
  • Mit zunehmender Belichtung wird das Korn beim XP2 feiner, mit abnehmender gröber
  • Das Filmkorn verhält sich invers zu klassischen SW-Emulsionen
    • In hellen Bildbereichen ist es wenig bis gar nicht präsent
    • Dafür ist es ausgeprägter in dunklen Bildbereichen
  • Der XP2 ist weniger kontrastreich als manch klassische SW-Emulsion
    • Dafür deckt er einen weiten tonalen Bereich ab
  • Im hybriden Workflow kann beim Scannen die ICE Funktion angewendet werden
  • Im Netz wird ein Auflösungsvermögen von bis zu 90 LP/mm erwähnt

Alle Bilder im weiteren Verlauf in diesem Artikel sind auf Ilford XP2 Super 400 entstanden, mit Einstellung ISO 200.

Entwickelt wird der Ilford XP2 Super im standardisierten C41 Prozess für Farbnegativfilme und kann somit in Mini-Labs, so es diese überhaupt noch geben sollte, entwickelt werden wie auch bei jedem anderen Dienstleister der noch Farbfilmentwicklungen anbietet. Auch die heimische Entwicklung im C41 Prozess ist möglich. Manche Fotografen experimentieren auch mit klassischen SW-Entwicklern im Zusammenhang mit dem XP2, siehe Links weiter unten, entwickelt und optimiert wurde der XP2 allerdings für den C41 Farbprozess.

Die spektrale Empfindlichkeit des XP2 unterscheidet sich praktisch nicht von klassischen SW Emulsionen und liegt zw. 400 .. 650 nm. Der sichtbare Bereich ist damit durch den Film gut abgedeckt.

Die Schwärzungskurve des XP2 zeigt ein ausgesprochen S-förmigen Verlauf. Die Abflachung in den Lichtern beim XP2 im Vergleich zu manch klassischen Emulsionen führt auf der einen Seite dazu, dass der Kontrast nicht so ausgeprägt ist wie bei manch klassischen SW Emulsionen, auf der anderen Seite läuft man beim XP2 kaum Gefahr in das Problem mit ausgebrannten Lichtern zu laufen.

Und in der Praxis

Mehrere Filme wurden in meiner Nikon FE2 und FM2 unter unterschiedlichsten Bedingungen die letzten zwei Jahre belichtet mit verschiedenen Festbrennweiten zwischen 28 und 200 mm. Die Filmempfindlichkeit eingestellt an der Kamera betrug in der Regel ISO 200 bis auf wenige Ausnahmen wo ich testweise ISO 100 bzw. ISO 400 verwendet habe.

Interessant ist, dass die Negative sowohl als Farbnegative als auch als S/W Negative gescannt werden können. Als Farbnegative gescannt sind die Ergebnisse an meinem Scanner (Minolta 5400 II) besser, kontrastreicher. Hinzu kommt, dass dann auch ICE verwendet werden kann was notwendige Korrekturen wie Ausflecken und Ausbessern von Fehlern im Negativ deutlich reduziert.

Natürlich interpretiert der Filmscanner wenn er Farbnegative erwartet die S/W XP2 Negative anders. Alle gescannten Negative erhalten einen mehr oder weniger ausgeprägten Sepia-Farbton. Dieser kann in der digitalen Dunkelkammer durch Graustufenumwandlung in ein echtes S/W Bild entfernt werden, resp. bereits beim Scannen indem die Sättigung minimiert wird.

Von den Ergebnissen war ich dann doch sehr positiv überrascht. Die wichtigsten Ergebnisse kurz zusammen gefasst :

  • Überraschend guter Kontrast, praktisch keine ausgebrannten Lichter
  • Sehr ausgewogene Bilder mit guter Tonalität über den gesamten Bereich
  • Wirklich feines Korn. Es zeigt sich am Monitor in hellen Bereichen erst bei Vergrößerungen größer als A3, in dunklen Bildbereichen ist das Korn hingegen schon früher sichtbar. Das wirkt sich sehr positiv in der Landschaftsfotografie aus wo man es häufig mit hellen und eher strukturlosen Himmelsbereichen zu tun hat
  • Der XP2 zeigt eine ausreichend gute Schärfe und Auflösung auf dem Niveau von klassischen ISO 100/200 Filmen allerdings ohne dabei deren Korn zu zeigen. An die Schärfe und Auflösung eines Ilford Delta 100 reicht der XP2 allerdings nicht heran
  • Die gescannten Bilder bedürfen je nach Motiv wenig bis einige Nachbearbeitung in der digitalen Dunkelkammer

Als nachteilig bei dem XP2 könnte man die Laufzeit bei der Entwicklung betrachten so man diese von einem Dienstleister vornehmen lässt, was bei C41 wohl eher die Regel ist. Ein bis zwei Wochen muss man einplanen, im worst case auch mal bis zu drei Wochen. Alternativ lässt sich dieser Film auch im Heimlabor entwickeln, hierfür werden verschiedene Kits angeboten.

Zusammenfassung

Ein sehr brauchbarer S/W-Film der klassischen Emulsionen nicht nachsteht. Speziell im KB-Format aufgrund des geringen Korns eine Alternative zum Ilford Delta 100 z.B. bei der Landschaftsfotografie wenn feines Korn wichtig ist. Da der Film problemlos beim Dienstleister entwickelbar ist, Discounter eingeschlossen, ein sehr gut geeigneter Film für alle die in die analoge S/W Fotografie hinein schnuppern wollen und nicht gleich selbst Filme entwickeln wollen oder können.

Ilford XP2 Super Bilder

Hier noch eine Auswahl von XP2 Bildern welche in den letzten zwei Jahren entstanden sind.

Links

[1] Ilford XP2 Super in Black & White Chemistry

3 Kommentare zu „Ilford XP2 Super – Impressionen

  1. Irgendwie, finde ich, hat der Film, so wie die Bilder hier gezeigt werden von dir, „keinen Charakter“, er ist zu perfekt, digital sozusagen. Was man weniger haben möchte, wenn man analog fotografiert. Ist zumindest mein Eindruck hier. – Danke für deine schönen Artikel über deine gemachten Erfahrungen!

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    1. Hallo Thomas,
      Ich empfinde die Ergebnisse, die ich mit dem Kodak Ektar 100 erhalte als geradezu digital, beim XP2 ist mir der Gedanke bisher noch nicht gekommen. Ich vermute, dass der Eindruck hier auch daher rührt, dass die Aufnahmen hier nur in reduzierter Auflösung zur Verfügung stehen. In voller Auflösung ist der analoge Ursprung der mittels XP2 gewonnenen Bilder offensichtlich, auch wenn der XP2 dabei einen ganz anderen Charakter als ‚echte‘ S/W Emulsionen hat.
      VG, Heiko

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  2. Hallo und danke für den Artikel. Den XP2 verwende ich seit Anfang der 1990er Jahre immer wieder gerne, sowohl im 35mm, wie auch 120er Format.
    Er hat einen einzigartigen Charakter, schöne „Schärfe“, wem dies wichtig ist und sehr angenehme tonale Abstufungen mit angenehmen Kontrasten. Wenn adäquat entwickelt, hat er oft eine gewisse Sepiatönung. Allerdings gelingt die Entwicklung, obwohl eigentlich standardmäßig C41, irgendwie nicht allen Labors.
    Ansonsten kann ich den Film nur empfehlen. Ich belichte ihn meist bei 320 iso und habe hier meinen „soft spot“ gefunden.

    Allzeit gutes Licht!

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