Adox resp. Fotoimpex beschreibt den Film als hochauflösenden Film der speziell modifiziert wurde (Speed boost) um ihn für die normale Fotografie nutzbar zu machen. Dies deutet schon auf seinen Ursprung als technischer Film mit hohem Kontrast hin. Durch die Modifikation wird die Empfindlichkeit erhöht auf etwa 50 ISO aber insbesondere der stark S-förmige Verlauf der Filmkurve soweit abgeflacht, dass der Film für die normale Fotografie nutzbar ist. Als Entwickler wird der Adox HR-DEV empfohlen, gute Ergebnisse sollen aber auch mit dem Adox FX39 II, Ilford DD-X oder Atomal erreicht werden. Rodinal wird interessanterweise nicht empfohlen für diese Film. Nähere Informationen zu diesem Film gibt es z.B. bei Adox.

Ich habe meinen ersten HR-50 in FX39 II 1+9 mit 7’15“ (aus dem Datenblatt) entwickelt und die Ergebnisse waren ad hoc grundsätzlich gut. Der Film ist sehr gutmütig beim Einspulen in die Spirale und lässt sich problemlos entwickeln. Der Träger ist aus klarem und relativ dünnem PET. Aufgrund des klaren Trägers muss der Film grundsätzlich bei möglichst wenig Umgebungslicht in die Kamera eingelegt werden da sonst das Licht über den Träger in die Filmdose eindringen und zu unerwünschten Belichtungen führen kann.
Scanned wurden die Negative mit meinem Konica-Minolta Filmscanner bei voller Auflösung von 5400 dpi. Hiermit erreiche ich eine max. Auflösung von etwa 100 LP/mm. Der Film wurde in der PhotoKlassik beschrieben mit einem max. Auflösungsvermögen von bis zu 150 LP/mm, sprich mit meinem Scanner kann ich das Potential dieses Films gar nicht mehr ganz ausnutzen.

Die Ergebnisse sprechen für sich, Korn ist bei den üblichen Vergrößerungen bis A4 praktisch gar nicht wahrnehmbar und die Schärfe ich auch bei hohen Vergrößerungsmaßstäben sehr gut.

Der klare Träger verursachte allerdings auch ein paar unangenehme Überraschungen beim Scannen. Manche Bilder wirkten am Rechner fade und wenig kontrastreich. Ein Blick ins Histogramm zeigte, dass dieses komprimiert im mittleren Bereich war mit unerwarteten Peaks. Ich vermute, dass die Belichtungs- und Bildkorrekturautomatik des Scanners mit dem klaren und dünnen Träger zuweilen nicht zurecht kam. Nach manueller Einstellung der Belichtung und Korrektur waren die Ergebnisse wieder sehr gut.
Dieser Film ist auch für die Infrarotfotografie interessant. Bei etwa 740 nm zeigt er seine höchste spektrale Empfindlichkeit und fällt anschließend bis etwa 780 nm ab. Kombiniert z.B. mit einem Schott Filter RG715 können sehr spannende Infrarotbilder aufgenommen werden die bereits deutlich den sog. ‚wood effect‘ zeigen. Unten ein Testfoto mit einem IR-Filter (720 nm) aufgenommen Anfang März, also eigentlich noch zu früh für einen ausgeprägten wood-effect. Nichstdestotrotz zeigt sich das noch winterlich geprägte grüne Gras im Vordergrund deutlich aufgehellt, ebenso wie einige Wiesen im Hintergrund.
Aufgrund der hohen Empfindlichkeit bei 740 nm muss die Belichtungszeit nicht sehr stark verlängert werden. Die Belichtungszeit des Bildes unten wurde zunächst ohne Filter gemessen, anschließend wurde mit Filter 3 Blendenstufen mehr Licht gegeben, was bereits fast zuviel war. Ich würde hier Experimente zw. 1..3 Blenden zusätzlich bei IR-Filter empfehlen.

Meiner Meinung nach ein insgesamt ein sehr interessanter Film gerade auch für die Landschaftsfotografie. Aufgrund der immer noch sehr kontrastreicher Bilder und der relativ steilen Kurve werde ich den nächsten Film in einer geringeren Konzentration, 1+14 statt 1+9 in FX39 II entwickeln. Der FX39 wirkt in geringerer Konzentration ausgleichender. Unten noch eine Auswahl von Aufnahmen aus dem ersten Film. Vielleicht regen diese dazu an diesen Film bei Gelegenheit auch auszuprobieren.





Adox HR 50 – Infrarot-Fotografie
Zwischenzeitlich habe ich einige (Nah-)Infrarotbilder mit dem Adox HR-50 angefertigt. Dabei kam ein IR Langpassfilter zum Einsatz mit einer Kantenwellenlänge von 720 nm. Der Adox HR 50 hat sein Empfindlichkeitsmaximum bei etwa 740 nm und schließt bei 780 nm. Somit ist der Wellenlängen-Ausschnitt der mit diesem Filter erreicht wird schon recht schmalbandig mit gerade einmal 60 nm.
An sonnigen Tagen im Frühling ist der IR Effekt mit dieser Kombination schon sehr deutlich sichtbar wie die Beispiel-Bilder unten zeigen. Blauer Himmel und Gewässer die den blauen Himmel reflektieren erscheinen sehr dunkel bin hin zu schwarz während grüne Blätter und Gras fast weiß erscheinen.

Da der Adox HR-50 sein Empfindlichkeitsmaximum bei 740 nm hat reichten i.d.R. ein bis zwei Blenden mehr an Belichtung aus im Vergleich zur Messung ohne IR-Filter um ein ausgewogenes Bild zu erhalten. Tatsächlich sind die meisten der hier gezeigten Bilder Freihand ohne Stativ entstanden, allerdings ist das Sucherbild aufgrund des IR-Filters fast schwarz, es sind wenn überhaupt gerade noch Schemen des Objektes sichtbar.

